Thème du mois

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September 2023:

Wüthrich, Bissig, Baggenstos  –  die Welt der Übernamen

In der Familiennamenforschung teilt man traditionell in fünf Motivgruppen ein: 1. Berufsnamen wie Müller oder Schneider 2. Namen nach der Wohnstätte (Zumthor, Matter, Moosmann) 3. Namen nach der Herkunft (Zürcher, Elsässer) 4. Namen nach dem Vater (z.B. Märki aus einem Rufnamen wie Markwart) oder der Mutter (Iten zu Ita) sowie 5. Namen nach Eigenschaften – mit dem Fachbegriff: Übernamen. Diese Namen können auf körperliche oder Verhaltensmerkmale anspielen (Gross, Wüthrich), aber auch auf biographische Besonderheiten (Freitag – an einem Freitag geboren oder freitags zu einer Dienstleistung oder Abgabe verpflichtet).

Man benannte Personen also danach, was an ihnen auffiel. Damit sagen die Übernamen nicht nur über den ersten Namenträger etwas aus, sondern auch über die benennende Gesellschaft. So drückt sich in Namen wie Batzig, Bissig oder Hässig wohl auch der Tadel der (vermeintlichen) Eigenschaften aus (trotzig, «bissig», hassvoll). Der berühmt gewordene Name Gantenbein geht auf die eingedeutschte rätorom. Phrase canta bein ‘sing gut’ zurück und lobt offenbar den, der schön singt. Die genauen Umstände der Namensgebung liegen jedoch aufgrund des hohen Alters der Namen im Dunkeln.

Die Karte zeigt das Vorkommen von Übernamen gemäss der ältesten Datenschicht «vor 1800» des Familiennamenbuchs der Schweiz. Zugrunde liegen Auswertungen je Bezirk bzw. Verwaltungskreis. Je höher der Anteil der Übernamen an den Namen insgesamt, desto dunkler die Einfärbung. Die rein französisch- oder italienischsprachigen Kantone sind von der Einfärbung ausgeschlossen, da uns zu den nicht-deutschsprachigen Namen keine systematischen Auswertungen vorliegen.

Herausstechend sind die Bezirke Stein (32%), Affoltern (28%), sowie Gersau und der Kanton Glarus (je 27%). Die häufigsten Übernamen dieser Gebiete sind in der Gegenwart: in Stein Gnädinger – wohl zu mittelhochdeutsch genædec ‘liebreich, barmherzig, gnädig’ (Deutung jedoch unsicher); in Affoltern Schneebeli zu mittelhochdeutsch snê ‘Schnee’ für eine Person mit heller Haut oder schneeweissem Haar; in Gersau Baggenstos ‘Schlag gegen die Wange’ für eine Person von rauflustigem, aggressivem Naturell und im Kanton Glarus Zweifel für einen unentschlossenen, zögerlichen Menschen. /luise kempf  

 

map september 2023

Die Karte zeigt das Vorkommen von Übernamen gemäss der ältesten Datenschicht «vor 1800» des Familiennamenbuchs der Schweiz (ohne rein französisch- oder italienischsprachige Kantone). 

Juin 2023: Scherrer oder Schärrer, Weber oder Wäber?
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Der e-Laut in Wörtern wie Berg (< mhd. bërc), Ferse (< mhd. vërse) oder Speck (< mhd. spëc) geht auf ein altes germanisches *ë zurück. Dieser Laut ist in Deutschschweizer Familiennamenpaaren häufig, deren Benennungsmotiv auf Berufsbezeichnungen zurückgehen und sich entsprechend aus dem appellativischen Wortschatz bedienen wie Reber – Räber, Scher(r)er – Schär(r)er, Weber – Wäber. In den alemannischen Mundarten der Schweiz wird germ. *ë unterschiedlich ausgesprochen. Dabei teilt sich die mündliche Realisierung hauptsächlich auf zwei Gebiete auf: Neutrales, mittleres [e] in der Nordostschweiz und ein überoffener, zu ä gesenkter Laut [æ] im benachbarten südlichen und westlichen Gebiet der Deutschschweiz. Diese lautliche Verbreitung spiegelt sich im Schriftbild der Familiennamen, die germ. *ë enthalten. Realisiert wird entweder die Schreibung <e> für den neutralen e-Laut oder die Schreibung <ä> für die überoffene Ausführung des Lautes: z. B. Bertschi – Bärtschi, Schwegler – Schwägler oder Segesser – Sägesser. Die Verbreitung dieser Namen korrespondiert nur teilweise mit den beiden genannten dialektalen Arealen. Familiennamen mit der <e>-Schreibung sind aufgrund ihrer Nähe zur Standardschrift häufiger und neben einem verstärkten Auftreten in der Ostschweiz über das ganze Mittelland verstreut. Die seltenere Schreibvariante <ä> hingegen konzentriert sich auf die Kantone Aargau, Bern und Zürich, jedoch kaum auf die Nordostschweiz. /martina heer

map juni

Die Karte zeigt die unterschiedliche Realisierung und Verbreitung von germ. *ë in Familiennamen aus Berufsbezeichnungen «vor 1800». Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz.

Mai 2023: Brun oder Braun? Wenn der Dialekt mit dem Standard ringt, Teil II
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Ein Kennzeichen alemannischer Mundarten ist die Beibehaltung des mittelhochdeutschen Langvokals û, wie er in den Wörtern bruu(n) ‘braun’, Buuch ‘Bauch’ oder Stuude ‘Staude’ auftritt. In der Standardsprache entspricht dem u-Laut ein au-Laut. In den Deutschschweizer Familiennamen treten nun ebenfalls Namen auf, die einerseits den gesprochenen Langvokal reflektieren wie Bruch, Bruholz, Brun, Brunnschweiler, Brunold, Huser, aber auch solche, die mit <au> geschrieben werden wie Althaus, Arzethauser, Auf der Maur, Bauer, Brauch, Braun, Braunschweiler usw. Letztere zeigen eine Schreibung, die keine Grundlage in der Mundart hat. Diese Schreibung wird in der frühen Neuzeit aufgenommen, als sich die Schreibgewohnheiten in den städtischen Schreibstuben und Kanzleien verändern. Die Karte zeigt, dass die Schreibung mit <u> v. a. in den südlichen Kantonen Wallis und Graubünden sowie in der Zentralschweiz bis in die Nordwestschweiz (AG, BL, JU) verbreitet ist. Die Diphthongschreibung <au> hat ihren Schwerpunkt im westlichen Kanton Bern sowie in der Nordostschweiz (ZH, SH, TG, SG). Sie ist aber auch im Kanton Uri und Glarus die vorherrschende Schreibung. Vgl. auch Wyss oder Weiss Wenn der Dialekt mit dem Standard ringt, Teil I /simone berchtold

map mai

Die Karte zeigt das Vorkommen von Familiennamen, die mhd. û enthalten, Zeitschicht «vor 1800» und «Herkunft». Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz.

Avril 2023: Latinismen in den Familiennamen der Schweiz
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Gemuseus, Stupanus, von Sepibus, Wilhelmi, Decristophoris, Nigris: Diese Familiennamen haben etwas Exotisches an sich. Dennoch gehören sie alle zum älteren Schweizer Familiennamenschatz. Ihren eigenartigen, fast adlig anmutenden Klang verdanken sie einem formalen Latinisierungsprozess. Latinisierungen in Namen sind ein häufig belegter Vorgang. Im mitteleuropäischen Raum sind vor allem die sogenannten Humanistennamen bekannt: Viele Gelehrte der Renaissance latinisierten – oder gräzisierten in manchen Fällen – ihren Familiennamen: Nicolaus Copernicus, Martinus Luterus, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Da latinisierte Familiennamen mit Bildung und Wissen assoziiert wurden, galten sie schliesslich als Statussymbol für Prestige und für eine hohe soziale Stellung der Familie. Latinisierungsprozesse in den Familiennamen vollzogen sich von der Epoche der Renaissance bis ins 19. Jh. primär in den schriftlichen, notariellen Texten. Jedoch sind nur wenige der latinisierten Schweizer Familiennamen Humanistennamen oder gleichbedeutend mit dem adeligen Ursprung ihrer Trägerin oder ihres Trägers. Ihre Entstehung ist oft auf einen Differenzierungsbedarf zurückzuführen. Im nördlichen Leventinatal z.B. wurde die zu hohe Konzentration des Namens Pedrini durch Bildung von Varianten ausgeglichen: Neben Pedrini findet man im gleichen Mikrogebiet auch Pedrina und eben Pedrinis. Die Karte zeigt, dass in der Schweiz die zwei häufigsten Typen von latinisierten Namen diejenigen auf auslautendes -us und -is sind, und dass diese geographisch deutlich komplementär auftreten. Die Romandie und die Deutschschweiz scheinen gegenüber der italienischen und rätoromanischen Schweiz im Falle der Latinisierungen zu unterschiedlichen Schreibtraditionen zu gehören. /linda steiner

map april

Die Karte zeigt das Vorkommen von latinisierten Familiennamen, die auf -us und auf -is auslauten. Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz, Zeitschicht a «vor 1800» und «Herkunft».

Décembre 2022: Die Tradition des Schenkens: Nikolaus und seine Varianten
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Die Popularität des Rufnamens Nikolaus geht auf den Heiligen Nikolaus, Bischof von Myra (4. Jh.) zurück. Sein Namenstag am 6. Dezember ist mit vielen Bräuchen verbunden wie dem Besuch von Kindern durch den Samichlaus und das Schenken von feinen Esswaren wie Nüssen, Äpfeln oder Lebkuchen. Durch die Verehrung des Heiligen fand der Name Eingang in die christlich geprägten Kulturkreise Europas und entwickelte durch die unterschiedliche Integration eine Fülle von Varianten im Repertoire der Familiennamen. In der Deutschschweiz kommen einerseits die Familiennamen Niklaus, Nikles vor, die die Vollform Nikolaus noch erkennen lassen. Andererseits zeigen sich häufiger reduzierte Namenbildungen: Aus einer Form mit abgefallener Erstsilbe Ni- entwickelten sich Claus, Glaus(er), Glausen, Klaus(er), Klaus(s) u. ä. Bei Nigg und Niggli hingegen wurde der hintere Teil des Namens getilgt. Ähnliche Muster zeigen die Namen in der Welschschweiz wie Nicole, Nicolet, Nicoud versus Collet, Collin. In der italienischsprachigen Schweiz gehören Nichelini, Nicola, Nicolai, Nicora und Denicola hierher. Die rätoromanischen Idiome haben ebenfalls eigene Namenformen entwickelt wie Nicolay, Cla(g)lüna, Cola, Colani. In allen vier Sprachregionen zeigt sich, dass die gekürzten Formen wiederum mit verschiedenen Suffixen abgeleitet wurden wie bspw. mit -li, -et, -ini oder -i. Panromanisch gibt es formale Gemeinsamkeiten: Nicolai kommt in Graubünden und im Tessin vor, Collet in Graubünden, Genf und im Waadtland. Die Verteilung in der Schweiz ist vor 1800 nicht gleichmässig: Das Kartenbild zeigt einen zusammenhängenden Namenraum im Osten und Westen, lässt aber Lücken erkennen, u. a. in der Zentralschweiz sowie im Südtessin. /simone berchtold

map dezember

Die Karte zeigt das Vorkommen von Familiennamen, die auf den Rufnamen Nikolaus zurückgehen, Zeitschicht «vor 1800» und «Herkunft». Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz.

Novembre 2022: Kurz, Kurzo, Kurzen: Arbeitsteilung in der Schweizer Namenlandschaft
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Die regionale Verbreitung sprachlicher Muster lässt sich in den Familiennamen mit gleicher Basis, aber unterschiedlichen Formvarianten wie KurzKurzoKurzen gut zeigen. Während Kurz mit dem Adjektivstamm kurz identisch ist, sind die anderen beiden Typen mit einem Suffix abgeleitet. Das -o-Suffix in Kurzo ist ein typisches Deutschfreiburger Merkmal. Es ist durch Imitation der häufigen französischen Namenausgänge -od, -ot und -oz entstanden, die allesamt als langes o gesprochen werden. Das -en-Suffix wie in Kurzen geht auf eine schwache Genitivbildung zurück (vgl. etwa «des Kurzen Sohn»). Die Kartierung der Namen vor 1800 zeigt eine deutliche Gebietsteilung: Die suffixlosen Varianten der Namen Heim, Jung, Kurz und Rogg (petrol) erscheinen im Raum Bern, Luzern und in der Ostschweiz, die Varianten mit -o-Suffix Heimo, Jungo, Kurzo und Roggo (gelb) hingegen typischerweise im Gebiet des heutigen Kanton Freiburg i.Ü. Die Familiennamen Heimen, Jungen, Kurzen und Roggen (dunkelblau) treten hauptsächlich im Berner Oberland, im Oberwallis und punktuell auch im Berner Seeland auf. /martina heer

map november

Die Karte zeigt das Vorkommen von Familiennamen mit gleicher Basis und den jeweiligen Formvarianten ohne Suffix vs. mit -o-Suffix vs. mit -en-Suffix vor 1800. Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz, Zeitschicht a «vor 1800».

Octobre 2022: Königliche Familiennamen in der Demokratie
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Königin Elisabeth II ist im vergangenen Monat verstorben. Auch wenn die Schweiz keine Monarchie hat, sind Familiennamen, die etymologisch auf ahd. kuning bzw. mhd. künic, künec ‘König’ zurückgehen, in den schweizerdeutschen Familiennamen enthalten, z. B. König und Koenig, aber auch in den weniger transparenten Namenvarianten Küng und Köng. Familiennamen, die wortgeschichtlich mit dem König zusammenhängen, waren wohl ursprünglich ein Übername für eine Person, die sich auf irgendeine Weise hervortat, z. B. als Anführer oder auch als grosstuerische Person. Denkbar sind auch bestimmte Dienst- oder Zugehörigkeitsverhältnisse.
Die mittelhochdeutschen Vokale <u> und <ü> wurden häufig zu <o> bzw. <ö> vor Nasallauten wie <n>, <m> und <ng> gesenkt, z. B. auch in Mittelhochdeutsch sunne > Neuhochdeutsch Sonne. Die Senkung lässt sich ebenfalls in den Familiennamen Köng und König beobachten, jedoch nicht im Namen Küng, in dem der mhd. Lautstand beibehalten wurde. Ferner zeugen die Familiennamen Küng und Köng von einer Tilgung des Vokals <i> im Vergleich zu den mhd. Formen, der nach Angabe des Schweizerdeutschen Idiotikons (Bd. III, 329) bereits vor dem 13. Jahrhundert verloren ging. Der Familienname König stellt die neuhochdeutsche Form dar, die etwa im 17. Jahrhundert übernommen wurde.
Die Namenkarte zeigt die Verbreitung der drei Namentypen: König, Küng und Köng. Während der Name König hauptsächlich im Westen auftritt, tauchen die Namen Küng bzw. Köng v. a. in der östlichen Schweiz auf. Der Familienname Küng kommt am häufigsten vor und zwar vom Westen der Schweiz (BE) über den nördlichen Teil (AG) und die Zentralschweiz (LU) bis in die Ostschweiz (SG, AR). Die wenig frequente Variante Köng ist als Familiennamennest im Kanton Zürich alteingesessen. Die Schreibweise Koenig mit <oe> (zusammengefasst unter König) taucht ein Mal im Thurgau auf. Bemerkenswerterweise gibt es nur drei Orte, die mehrere Varianten haben: Koenig und Küng in Frauenfeld TG, Küng und König in Schüpfen BE und Küng und Köng in Wagenhausen in TH. / jeffrey pheiff

map oktober

Die Karte zeigt das Vorkommen von Familiennamen, die auf ahd. kuning, mhd. künic, künec ‘König’ zurückgehen. Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz, Zeitschicht a «vor 1800».

Septembre 2022: Jaggi und Jäggi: Alles Jakob, oder was?
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Der Rufname Jakob erfreute sich im ausgehenden Mittelalter grosser Beliebtheit. Grund war die Popularität des Apostels Jakobus des Älteren, dessen Grab in Santiago de Compostela noch heute zu einem bekannten Pilgerziel gehört. Durch seine Beliebtheit als Rufname ist Jakob auch in vielfältigen Kurzformen in die Familiennamen eingegangen. Bei den vorliegenden Namen sind verschiedene lautliche Prozesse auszumachen: Bei allen Namen ist der Auslaut -ob getilgt worden und die Form Jak- wurde in der Folge mit Verkleinerungs- resp. Diminutivsuffixen erweitert. Einerseits stand ein Suffix -in zur Verfügung wie in Jäggin, andererseits das Suffix -lin, das auch heute noch für Verkleinerungen genutzt wird, wie in Jäcklin und Jecklin. Da -n im Auslaut in den Mundarten meist schwindet, resultieren daraus die Formen ohne -n: Jaggi, Jaggy, Jäggi, Jaeggi, Jaeggy, Jeggi, Jegge neben Jäckli, Jäggli, Jägli, Jeggli. Das i der Endung, das als <i>, <y> oder abgeschwächt als <e> geschrieben werden kann, löst Umlautung aus. Dieser Umlaut kann mit <ä>, <e> oder <ae> verschriftlicht werden; er konnte aber auch wieder rückgängig gemacht werden, was den Namentyp Jaggi, Jaggy zur Folge hat. Bei den Formen Jäk, Jäckh, Jäkh, Jeck wurde die Endung getilgt, der Umlaut aber blieb erhalten. Auf der Karte sind die Namen zusammengefasst, die Umlaut resp. keinen Umlaut haben. Umlautlose Formen dominieren im südlichen Kanton Bern, solche mit Umlaut im nördlichen Bern, in Solothurn, Teilen Luzerns und des Aargaus. Wie die Geschichte von Jacob weitergeht, lesen Sie dann bei Kopp und Köppel. /simone berchtold

map september

Die Karte zeigt das Vorkommen von Familiennamen, die auf den Rufnamen Jacob zurückgehen, Namen ohne Umlaut wie Jaggi und Jaggy in blau und Namen mit Umlaut in rot. Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz, Zeitschicht a «vor 1800».

Août 2022: Zum Familiennamen Schweizer
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Passend zum eerscht Auguscht widmet sich üses Namethema vom Monet em Familiename Schweizer.
De Familiename Schweizer und di monophthongisch Variante Schwyzer, Schwizer gönd – wie de Volksname au – uf di uursprünglich Bezeichnig vo de Bewohner:inne vom ehemalige Ort vo de alte Eidgenosseschaft bzw. em hütige Kanton Schwyz und em glychluutende Kantonshauptort Schwyz zrugg. Näbed de Bezeichnig Schwitzer hät parallel d Form Switer exischtiert, wo sich au als Familiename Schwitter /Schwyter (diphthongiert: Schweiter) etabliert hät.
Uf de abbildete Chaarte gseet mer einersyts di rüümlich Verbreitig vom Nametyp Schweizer (und Variante: Schweitzer, Schwyzer, Schwizer, Schwitzer), anderersyts d Verteilig vom etymoloogisch identische Typ Schwitter (und Variante: Schwyter, Schweiter). De Nametyp Schweizer erschiint hauptsächlich im Nordweschte (BL), Oschte (TG u. SG) und im Weschte (BE), vereinzelt au im Ruum Züri und Schaffhuuse. De Typ Schwitter hingege findet sich vor allem im Ruum Schwyz.
Uffallend isch, wie d Chaarte zeigt, dass d Familienäme nur i de Tütschschwyz verbreitet sind.
I de romaanische Sproochregione vo de Schwyz erschiined die Familienäme nöd. Au händ sich i de romaanischsproochige Schwyz d Bezeichnige für d Bewohner usem Kanton Schwyz (frz. Schwyz /Schwytz; ital. Svitto; rätorom. Sviz) jewils nöd im Familienameguet verfeschtigt. / martina heer

map august

D Charte zeigt, wo d Familienäme vom Typ Schweizer (karmesinroot, staalblau, olivgrüen, kobaltblau, gelb) und em Typ Schwitter (rosaroot, aquamariin, choornbluemäblau) i de Schwyz vorchömed. Daatebaasis: Familiennamenbuch der Schweiz, Zytschicht a «vor 1800».

Juillet 2022: Ganzoni, Biveroni, Bezzola: i cognomi italianizzati dei migranti romanci 
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In alcune regioni romanciofone del canton Grigioni è attestato già a partire dal XVII secolo un particolare tipo di cognomi con tratti formali italiani ma di origine romancia: Bezzola, Biveroni, Bosio, Colani, Ganzoni e altri ancora, sono il risultato dell’italianizzazione dei cognomi romanci Betschla, Bivrun, Buos-ch, Culan o Colaun, Gianzun. La carta mostra una concentrazione del tipo cognominale in Engadina e in Val Monastero. Questa diffusione areale ha ragioni storiche legate a un’interessante forma di tradizione migratoria grigionese, quella della pasticceria a Venezia. Grazie a un’alleanza socioeconomica tra il Grigioni e la Repubblica di Venezia numerosi pasticceri grigionesi poterono esercitare la loro professione nella città lagunare tra il 1603 e il 1766. Essi emigravano con i loro cognomi romanci e tornavano in patria con i nuovi cognomi italianizzati a Venezia. Un ritorno al cognome romancio originale non ebbe luogo, presumibilmente a causa dell’alto valore economico, sociale e culturale che l’italianità dei portatori di tali cognomi recava con sé in quell'epoca. Poiché i pasticceri grigionesi erano soprattutto emigranti stagionali venivano chiamati anche randulins, in italiano ‘rondini’. Il fenomeno dell’italianizzazione dei cognomi romanci è un ottimo esempio di come i cognomi possano essere il riflesso di fatti storici. / Linda Steiner 

map juli

L’illustrazione cartografica mostra la distribuzione dei cognomi romanci italianizzati nel Grigioni romanciofono nell’epoca antecedente il 1800. I punti sul territorio ticinese rappresentano perlopiù cognomi omofoni. Fonte dei dati: Repertorio dei nomi di famiglia svizzeri. Carta creata per gentile concessione di Martin Graf, Simone Berchtold e Dieter Studer. Fonte della mappa di base: Atlante mondiale svizzero © EDK, 2018

Juin 2022: Wyss oder Weiss? Wenn der Dialekt mit dem Standard ringt, Teil I
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Ein Kennzeichen alemannischer Dialekte ist, dass sie den mittelhochdeutschen langen Vokal i in den Mundarten erhalten haben. Das betrifft Wörter wie Giige ‘Geige’, schriibe ‘schreiben’, wiiss ‘weiss’ usw. Dieser Laut findet sich auch in den Familiennamen Giger, Gyger, Schriber, Schryber, Wyss und Wiss, die etymologisch zu den genannten Wörtern gehören. Die Schreibweise mit <i> oder <y> reflektiert die mundartliche Lautung. Nun gibt es aber zu diesen Familiennamen auch folgende «Partner»: Geiger, Schreiber, Weiss. Diese Namen zeigen eine Schreibung, die keine Grundlage in der Mundart hat, sondern die Standardsprache reflektiert. Warum nun eine Schreibung aufgenommen wird, die in der Aussprache keine Entsprechung hat, kann so erklärt werden: In der frühen Neuzeit verändern sich die Schreibgewohnheiten in den städtischen Schreibstuben und Kanzleien. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Schreibung des lang i als <i, y> durch <ei, ey> ersetzt, aber – wie wir an den Namen Giger, Schryber, Wyss usw. sehen – wurde die Schreibung der Namen nicht überall von diesem Wandel erfasst. Die Karte zeigt ein häufigeres Auftreten der <ei>-Schreibung in den nördlichen Kantonen Basel, Basel Land, Zürich, Thurgau, Appenzell Inner- und Ausserrhoden, St. Gallen, während sonst die mundartnahe Schreibung vorherrscht. / simone berchtold

Die Karte zeigt das Vorkommen von Familiennamen mit <i>-<y>-Schreibung in grün und ihren Pendants mit <ei>-Schreibung in blau. Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz, Zeitschicht a «vor 1800». Erstellt mit freundlicher Genehmigung von Martin Graf, Simone Berchtold und Dieter Studer. Quelle der Grundkarte: Schweizer Weltatlas © EDK, 2018.

Mai 2022: Sprachhistorische Relikte im Schweizer Familiennamenbestand – Herkunftsnamen auf von
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In der Schweiz sind Familiennamen mit einer Präposition wie z. B. an, auf, in, zu typische Bildungen. Dabei sind u. a. Namen mit der Präposition von weit verbreitet. Die Namen können mit verschmolzener oder freistehender Präposition geschrieben werden, z. B. Vonlanthen, Vonrüti, Vontobel bzw. von Allmen, von Rickenbach, von Wattenwyl. Betont werden diese Namen auf der Präposition. Im Gegensatz zu Familiennamen in Deutschland, wo Präpositionen (mit einem Artikel) meist nur in Adelsnamen vorkommen, z. B. von Gültingen und von Bülow, weisen solche Namen in der Schweiz nicht zwingend auf einen adeligen Ursprung hin. Diese Namen sind in der Schweiz sprachgeschichtliche Relikte: In mittelalterlichen Quellen treten sog. Herkunfts- und Wohnstättennamen oft mit Präpositionen auf, die jedoch später oftmals geschwunden sind. Neben der Schweiz sind solche Namentypen v. a. am Niederrhein und in den Niederlanden erhalten geblieben. Die Karte zeigt, dass Familiennamen mit der freistehenden Präposition von in weiten Teilen der deutschsprachigen Schweiz verbreitet sind. Dabei finden sich Häufungen im Kanton Solothurn und in der Innerschweiz. /jeffrey pheiff

Die Karte zeigt das Vorkommen von Familiennamen mit der freistehenden Präposition von. Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz, Zeitschicht a «vor 1800». Erstellt mit freundlicher Genehmigung von Martin Graf, Simone Berchtold und Dieter Studer. Quelle der Grundkarte: Schweizer Weltatlas © EDK, 2018.

Avril 2022: Schaffert, Gantert, Walthert – Wenn öppert plötzlich ein -t angehängt bekommt.
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In der Schweiz gibt es viele Familiennamen auf -ert: Zum Beispiel Bossert, Megert, Purtschert, Seifert. In den meisten davon hat das auslautende -t eine etymologische «Berechtigung»: Bossert aus Bosshard, Megert aus Maganhard, Purtschert aus Burkhard und Seifert aus Siegfried... Bei einigen Namen hat sich das -t aber erst nachträglich im Lauf der Geschichte eingeschlichen. Diese Deutung ist wahrscheinlich etwa bei Grütert (zu Grüter, Wohnstättenname zu G(e)rüte ‘Rodung’), Schaffert (zu Schaffer) oder Walthert (zu Walther). Warum ein --t angehängt wurde, ist nicht immer klar. Mehrere Gründe kommen in Frage, so etwa die unbewusste Anlehnung an die vielen -ert-Namen aus -hard oder ein allgemeiner Bedarf zur Wortrandverstärkung. Ähnliches lässt sich beobachten, wenn aus dem Wörtchen öpper (aus et-wer ‘jemand’) in der Ostschweiz öppert wird. Die Familiennamen mit sekundär angehängtem -t finden sich aber im gesamten Mittelland, der Nordwestschweiz und vereinzelt in Graubünden. /luise kempf

Die Karte zeigt eine vorläufige Auswahl von -ert-Namen mit sekundärem t-Antritt. Datenbasis: Familiennamenbuch der Schweiz, Zeitschicht a «vor 1800». Erstellt mit freundlicher Genehmigung von Martin Graf, Simone Berchtold und Dieter Studer. Quelle der Grundkarte: Schweizer Weltatlas © EDK, 2018.